Von der „Sekt-Idee“ zur Landesfachwartin: Alice Sauer im Porträt
Ein Leben für den TV Babenhausen – Brian Klimas und Thomas Zengel im Gespräch mit einer Powerfrau des Ehrenamts.
Wer an das sportliche und gesellige Leben beim TV Babenhausen denkt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Alice Sauer. Seit über drei Jahrzehnten prägt sie den Verein nicht nur als aktive Sportlerin, sondern vor allem durch ihr unermüdliches Engagement hinter den Kulissen und auf der Trainerfläche. In einem persönlichen Interview blickt Alice auf ihren bewegten Weg zurück, der 1987 begann und sie bis an die Spitze des Hessischen Turnverbandes führte.
Ein glücklicher Zufall und ein Glas Sekt
Alices Geschichte beim TVB begann kurz nach ihrem Umzug nach Babenhausen Ende 1987. Zunächst suchte sie als Teilnehmerin in der Turngruppe bei Ingrid Mallingrow und später bei Brigitte „Gitti“ Schäfer einen Ausgleich zu ihrem fordernden Beruf in der Krankenpflege. Doch aus der reinen Teilnehmerin wurde schnell mehr – und das hatte einen feuchtfröhlichen Grund.
„1999 hat mich Gitti Schäfer nach einem Glas Sekt gefragt: 'Alice, wie wär’s eigentlich, wenn du die Übungsleiterin machst?'“, erinnert sich Alice schmunzelnd. Im Übermut der Feier sagte sie zu. „Als ich am nächsten Tag wieder einen klaren Kopf hatte, dachte ich: Da hast du wohl was Falsches gesagt. Aber Gitti hatte mich schon längst beim Verband angemeldet!“ So begann eine Trainerlaufbahn, die bis heute Spuren hinterlässt.
Ehrenamt zwischen Schichtdienst und Waldfest
Die Anfänge waren alles andere als leicht. Als Krankenpflegehelferin im Schichtdienst – inklusive Wochenenden und Nächten – war die Koordination mit dem Vereinsleben eine logistische Meisterleistung. Trotz dieser Belastung übernahm Alice Verantwortung. Gemeinsam mit Anneliese Wege organisierte sie das traditionelle Waldfest, unterstützte den Wirtschaftsausschuss unter „Bert“ und war sich für keine Aufgabe zu schade.
Dabei gab es nicht immer nur Rückenwind. Alice erinnert sich auch an stressige Zeiten und Momente, in denen die Unterstützung fehlte. Doch ihr Antrieb war stets stärker: „Der Spaß, mit Menschen zusammenzukommen und Freunde zu finden, das ist es, was mich bis heute aufrecht hält.“
Herzensprojekt: Seniorenarbeit und Gedächtnistraining
Ein besonderer Meilenstein war die Gründung der Seniorengruppe im Jahr 2010. Gemeinsam mit Leni Willand erkannte Alice, dass viele ältere Menschen in Babenhausen einsam waren. „Wir müssen was machen, die Leute sitzen alle zu Hause“, war ihr Credo. So entstand der Spiele-Nachmittag – eine Mischung aus Kaffeeklatsch, Mund-zu-Mund-Propaganda und Gehirnjogging.
Die Gruppe wuchs schnell. Alice organisierte sogar Ausflüge nach Erbach oder in den Frankfurter Zoo. Für sie war klar: Gemeinschaft ist die beste Medizin. Auch wenn sie heute keine feste Gruppe mehr leitet, bleibt sie als „Feuerwehr“ aktiv. Wenn Not am Mann ist, springt sie als Vertretung ein – egal ob für Gitti oder in anderen Seniorengruppen.
Einsatz auf Landesebene
Alices Fachwissen und ihre Leidenschaft führten sie weit über die Grenzen Babenhausens hinaus. Heute ist sie nicht nur Fachwartin 60+ und Fachgebietsleiterin für Freizeit-, Fitness- und Gesundheitssport beim TVB, sondern auch Landesfachwartin für Ältere und Senioren im Hessischen Turnverband (HTV). In dieser Rolle gestaltet sie die Zukunft des Seniorensports in ganz Hessen mit.
Ein Vorbild für den Verein
Alice Sauer zeigt, was man mit Herzblut und Durchhaltevermögen erreichen kann. Trotz gesundheitlicher Herausforderungen denkt sie nicht ans Aufhören. Ihr Engagement ist ein Appell an alle: Der TV Babenhausen lebt von Menschen wie ihr, die anpacken, lachen und die Gemeinschaft an erste Stelle setzen.
Vielen Dank an Alice Sauer für das offene Gespräch und an Brian Klimas sowie Thomas Zengel für die Durchführung des Interviews.